Etwas "Don Raffo" schlummert in jedem von uns - Hier ist euer Board

Nix für Politiker, Gutmenschen oder sonstige "perfekte Stützen" der Gesellschaft

Querulant im Knast

Witziges und handverlesener Humor

Etwas "Don Raffo" schlummert in jedem von uns - Hier ist euer Board Themen

 

Benutzeravatar
DonRaffo
Administrator
 
Beiträge: 17
Registriert: Fr 5. Jul 2013, 14:26

Querulant im Knast

Beitragvon DonRaffo » So 21. Jul 2013, 09:06

Die berühmte Hamburger Vollzugsanstalt "Santa Fu" hat ein Problem: Unter den Häftlingen ist seit Jahren ein promovierter Jurist, der die Justiz mit Klagen überzieht.
Im Umgang, bestätigen die Bediensteten der Haftanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel, sei Hans-Jürgen Hausmann "eigentlich angenehm". Seine Manieren sind tadellos, seine äußere Erscheinung ist sehr gepflegt.

Und dennoch gibt es unter den Hunderten Insassen kaum einen Häftling, der Verwaltung wie Wachpersonal mehr nervt als der 68-Jährige; der ihnen intellektuell mehr gewachsen ist, wenn nicht überlegen; der mehr Ehrgeiz entwickelt, den deutschen Vollzug quasi von innen auszuhebeln.

Hans-Jürgen Hausmann, seit vielen Jahren in "Santa Fu", ist promovierter Jurist. Und das ist für die Justizvollzugsanstalt ein echtes Problem.

Zuletzt hat er mal wieder eine seiner gefürchteten Eingaben verfasst. Darin verlangt er eine eigene Waschmaschine und einen Trockner. Außerdem gedenkt er, zwei Kaninchen anzuschaffen, die er in einer "Zweitzelle" untergebracht haben möchte: "Mal sehen, vielleicht beginne ich dort eine Zucht."

Dass sich Hamburgs berühmt-berüchtigter Knast demnächst zumindest auf ein paar Quadratmetern in einen Kuschelzoo verwandelt, ist nicht völlig ausgeschlossen. Erst neulich hat das Landgericht der Hansestadt Hausmann recht gegeben: Als Sicherungsverwahrter müsse er deutlich besser untergebracht werden als ein gewöhnlicher Häftling, bestätigten die Richter.

Seine Neigung zum dramatischen Auftritt lebte Hausmann bereits vor der Knastzeit aus. Anfang der achtziger Jahre vertrat er als Rechtsanwalt auch Mörder und Kiezgrößen so impertinent, dass ein Richter einmal mit einer Akte nach ihm warf. Hausmann trug Maßanzüge, Brillantringe, fuhr Rolls Royce und Bentley. Er stellte sich als "Bossi des Nordens" vor, bezeichnete sich als "Dr. jur., Dr. of Law (USA), Dr. phil. (GB)" und heiratete in beste Hamburger Kreise ein.

Die Kontakte zur Unterwelt färbten jedoch offenkundig auf seine eigenen Geschäftspraktiken ab. Hausmann betrog Mandanten, fälschte Urkunden, unterschlug Gelder. 1987 musste er für zehn Jahre hinter Gitter, die Richter verhängten ein Berufsverbot. Doch das hinderte ihn nicht, aus dem Knast heraus einen illegalen Abmahnverein zu betreiben und, kaum in Freiheit, als Anwalt weiterzuarbeiten. Im Jahre 2000 wanderte der Jurist erneut ins Gefängnis, diesmal womöglich für immer.

Die Richter bescheinigten ihm eine "amoralische Grundhaltung" und verhängten Sicherungsverwahrung. Obwohl er seine Strafe abgesessen hat, muss er deshalb weiter im Gefängnis bleiben - was Hausmann für einen üblen Rechtsbruch hält. Nun müsse er den "Rechtsstaat hinter Gittern" verteidigen, sagt er.

Die schärfste Waffe in seinem "Kampf gegen die verlotterte Justiz" ist seine alte Schreibmaschine. Fast täglich hämmert er Eingaben, Klagen, Widersprüche, moniert darin den Ton der Wachhabenden oder zieht gegen angeblich schikanöse Disziplinarmaßnahmen zu Felde. Selbst wegen der Größe des Plastikweihnachtsbaums in seiner Zelle hat er den juristischen Schlagabtausch gesucht.

Anstrengender noch als die Schriftsätze in eigener Sache ist für die Anstaltsleitung der Umstand, dass Hausmann auch seinen Mitgefangenen in Rechtsfragen hilft. Mal kümmert er sich um die individuellen Nöte der Knackis, mal setzt er sein Know-how fürs Gemeinwohl ein. Als ein Trakt des über 100 Jahre alten Gefängnisses neue Fenster erhielt, landeten nach Abschluss der Arbeiten reihenweise Anzeigen beim zuständigen Bauamt. 32 Insassen beklagten fachkundig, dass bei der Konstruktion die Hamburgische Bauordnung nicht eingehalten worden sei.

Das Ziel des Ex-Anwalts ist klar: Er will den Behörden so lästig werden, dass sie ihn irgendwann laufenlassen. Derzeit setzt die Gefängnisleitung jedoch eher auf Konfrontation. Weil sich Hausmann angeblich nicht an Anstaltsregeln gehalten hatte, versuchte es der JVA-Chef mit der in diesem Fall drakonischsten Strafe: Er ordnete zwei Tage Schreibmaschinen-Entzug an. Hausmann konterte umgehend, legte Widerspruch ein - und erstattete Anzeige wegen Verfolgung Unschuldiger.

Gleich beim Bundesverfassungsgericht beschwerte sich Hausmann, als vor Jahren in seiner Zelle des Öfteren die Toilette überlief. Er müsse in einer "Kloake" leben, schimpfte er und bekam recht. Die Richter ordneten seine Verlegung an. Seither wendet sich der Jurist mit Vorliebe an die Bundesrichter, mehr als hundert Eingaben schickte er ihnen bislang.

Dass der Ex-Anwalt noch gut in Form ist, bewies er Ende Mai vor dem Hamburger Verwaltungsgericht. Es ging um die Äußerung einer Knast-Mitarbeiterin, die Hausmann zum Anlass einer Klage nahm. Sieben Minuten dauerte die Verhandlung, da hatte der zunächst jovial auftretende Richter bereits einen Befangenheitsantrag des Klägers auf dem Tisch. Zwei Stunden später war die Sitzung beendet, wer hinter Gittern was gesagt hatte, blieb unklar.

Die Justizbeschäftigte eilte Richtung U-Bahn-Station. Der Kläger aus dem Knast hingegen stieg zufrieden in einen silbernen VW-Bus, am Steuer ein unbewaffneter Wachmann. Es sah so aus, als ließe sich der Gefängnisdirektor nach Hause chauffieren.

Hausmann hatte juristisch durchgesetzt, dass er nicht mit einem grünen Gefangenentransporter gefahren wird.

Kommentar, Don-Raffo:
Echt Megageil der Typ !!! ;)
 



Zurück zu Don Raffos Humor

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron